Es ist Abend, die Sitzung zieht sich. Noch eine Diskussion, noch ein Beschluss, noch ein Punkt auf der Tagesordnung. Und irgendwo dazwischen: der Blick auf die Uhr, die Frage nach der Kinderbetreuung zu Hause, der Gedanke an den nächsten Morgen.
So oder so ähnlich erleben viele Menschen Kommunalpolitik – engagiert, aber oft auch am Rand der Belastbarkeit.
Ein aktueller persönlicher Bericht aus Wallenhorst macht genau das sichtbar. Eine Ratsfrau beschreibt darin sehr offen, wie schwierig es ist, politisches Engagement, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Nicht selten bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Politik wird dann nicht nur Aufgabe, sondern auch eine dauerhafte organisatorische und persönliche Herausforderung.
Diese Erfahrung steht nicht allein. Viele Menschen, die sich politisch einbringen wollen, stehen vor ähnlichen Fragen: Wer betreut die Kinder während der Sitzung? Wie lassen sich Pflegeaufgaben mit Abendterminen vereinbaren? Und wer trägt die zusätzlichen Kosten?
Besonders Frauen sind davon betroffen, weil sie weiterhin einen großen Teil der Care-Arbeit übernehmen. Das führt dazu, dass sie seltener kandidieren oder ihr Mandat früher wieder abgeben.
Auch in Wallenhorst zeigt sich diese Entwicklung deutlich: Frauen sind im Gemeinderat weiterhin deutlich unterrepräsentiert (aktuell 8 von 33). Eine, die diese Situation aus eigener Erfahrung kennt, ist die angesprochene Ratsfrau: Klara Essomba von Bündnis 90 / Die Grünen. Sie gehört zu denjenigen, die immer wieder darauf hinweisen, wie wichtig bessere Rahmenbedingungen für politische Teilhabe sind.
Der persönliche Bericht macht klar: Es geht hier nicht um Einzelprobleme, sondern um strukturelle Fragen. Wenn Betreuung fehlt oder zu teuer ist, wenn Termine nicht planbar sind und Belastung zur Dauer wird, dann bleiben viele draußen – obwohl sie etwas zu sagen hätten.
Genau hier setzt ein aktueller Vorschlag unserer Grünen Fraktion im Gemeinderat an: Kinderbetreuung während Sitzungen und eine bessere Erstattung von Betreuungskosten sollen dafür sorgen, dass politisches Engagement nicht an der Lebensrealität scheitert. Auch Alleinerziehende und Eltern behinderter Kinder über 14 Jahre sollen zukünftig Anspruch auf eine Erstattung haben. Sie wurden in der bisherigen Satzung nicht mitgedacht. Ziel ist es, Hürden abzubauen und mehr Menschen den Einstieg in die Kommunalpolitik zu ermöglichen.
Denn Demokratie lebt davon, dass sie viele Stimmen zulässt – nicht nur die, die zufällig die passenden Lebensumstände haben.
Und genau deshalb gilt: Interessierte – ausdrücklich auch Frauen – sind eingeladen, sich einzubringen.
Wie der Einstieg in die Kommunalpolitik konkret aussieht, wird am 07.06. um 16:30 Uhr im Dulingshof vorgestellt. Dort berichten zwei Wallenhorster Ratsfrauen, darunter auch Klara Essomba, von ihrem Weg in die Politik und ihrem Alltag im Gemeinderat – ehrlich, persönlich und aus erster Hand.
Vielleicht beginnt politische Beteiligung genau dort: mit einer Geschichte, die zeigt, dass es nicht nur möglich ist, sondern gebraucht wird.