Patriarchale Straßenbeleuchtung? 

Lenie Gribbin-Steinle und Klara Essomba vom Ortsverband Bündnis 90 / Die Grünen - Wallenhorst
Lenie Gribbin-Steinle und Klara Essomba vom Ortsverband Bündnis 90 / Die Grünen - Wallenhorst

Was das Licht in unserem Ort über Gleichberechtigung verrät

Die dunkle Jahreszeit steht vor der Tür. Wenn es morgens noch dunkel ist und abends früh dämmert, fällt besonders auf, welche Wege, Plätze und Straßen gut beleuchtet sind – und welche nicht. Licht ist dabei mehr als eine technische Frage: Es beeinflusst, wie sicher wir uns fühlen und ob wir öffentliche Räume selbstverständlich nutzen können.

Während manche Menschen abends selbstverständlich nach Hause gehen, überlegen andere, welche Route sie nehmen, welche Straßen sie meiden oder wen sie anrufen, bis sie sicher angekommen sind. Für viele Frauen gehört diese Art der Vorsorge zum Alltag. Auch andere Menschen können öffentliche Räume nachts als unsicher erleben – etwa ältere Menschen, Jugendliche, Menschen mit Behinderungen oder Menschen, die bereits Bedrohungen erfahren haben. Nicht unbedingt, weil sie davon ausgehen, dass ihnen tatsächlich etwas passieren wird, sondern weil die Möglichkeit einer Bedrohung ihre Entscheidungen beeinflusst.

Werden bei der Planung von Straßenbeleuchtung die Bedürfnisse aller Menschen ausreichend berücksichtigt? Diese Frage ist auch für unsere Gemeinde relevant. Denn bei kommunalen Entscheidungen geht es nicht nur um technische Vorgaben und Kosten, sondern auch darum, wie Menschen ihren Alltag erleben.

Ein konkretes Beispiel ist der Parkplatz am Grubenweg in Lechtingen. Bereits am 2. September 2025 beantragte unsere Fraktion, den Parkplatz nach der DIN 67528:2018-04 zu beleuchten. Der Rat lehnte unseren Antrag am 11. Dezember 2025 ab.

Der Schutz von Insekten, Fledermäusen und anderen Tieren ist wichtig. Doch die Frage, wie sich eine naturverträgliche Beleuchtung umsetzen ließe, ist damit noch nicht beantwortet. Eine gezielte, zeitlich begrenzte Beleuchtung wäre beispielsweise eine Möglichkeit, die man prüfen könnte. Adaptive Beleuchtung gibt es in der Gemeinde auch bereits andernorts.

Im Januar 2026 stellte die CDU einen erneuten Antrag. Im Juni 2026 wurde beschlossen, den Anwohnerparkplatz klar vom übrigen Bereich zu trennen und den verbleibenden Teil ausdrücklich als Wanderparkplatz auszuweisen. Nach der Einordnung der Verwaltung findet die DIN 67528:2018-04 auf diesen Wanderparkplatz keine Anwendung. Für die Anwohnerinnen und Anwohner bleibt damit die Frage ungelöst, wie sie ihre Fahrzeuge bei Dunkelheit sicher erreichen und nutzen können.

Dass keine allgemeine Beleuchtungspflicht besteht, bedeutet schließlich nicht, dass Beleuchtung unnötig oder eine Verbesserung unmöglich ist. Wir finden, dass die Gemeinde hier die unterschiedlichen Bedürfnisse ernst nehmen und nach einer Lösung suchen sollte, die sowohl die Sicherheit der Menschen als auch den Schutz der Natur berücksichtigt.

Hinter dieser konkreten Entscheidung steht eine allgemeinere Frage: Wessen Bedürfnisse werden bei der Gestaltung öffentlicher Räume selbstverständlich berücksichtigt? Der Begriff ‚patriarchale Straßenbeleuchtung‘ greift genau diesen Punkt auf.

Der Begriff „patriarchale Straßenbeleuchtung“ mag zunächst ungewöhnlich klingen. Damit soll nicht gesagt sein, dass die Straßenplanung bewusst zum Nachteil von Frauen gestaltet wird oder dass die Bedürfnisse anderer Gruppen grundsätzlich unberücksichtigt bleiben.

Das Patriarchat bezeichnet gesellschaftliche Strukturen, die historisch von Männern geprägt wurden und in denen häufig die Bedürfnisse und Vorteile von Männern im Vordergrund standen, während die Bedürfnisse von Frauen weniger berücksichtigt wurden. Solche Strukturen können sich auch darin zeigen, wessen Bedürfnisse selbstverständlich berücksichtigt werden und wer sich an bestehende Bedingungen anpassen muss.

Der Begriff soll vielmehr Fragen aufwerfen: Wessen Sicherheit wird mitgedacht? Wer muss sich an bestehende Bedingungen anpassen? Wie kann eine Planung aussehen, die unterschiedliche Sicherheitsbedürfnisse berücksichtigt? Und kann die Planung von Straßenbeleuchtung tatsächlich zu einem größeren Sicherheitsgefühl für alle Bürgerinnen und Bürger beitragen?

Auch die Zusammensetzung politischer Gremien spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, unterschiedliche Bedürfnisse sichtbar zu machen. Unter diesen Gesichtspunkten ist es umso bedauerlicher, dass der ohnehin geringe Frauenanteil im Gemeinderat bei der Kommunalwahl erneut gesunken ist. Eine vielfältige Vertretung kann dazu beitragen, unterschiedliche Perspektiven in politische Entscheidungen einzubringen. Natürlich hängt gute Kommunalpolitik nicht allein vom Geschlecht der Ratsmitglieder ab. Entscheidend ist aber, dass die Erfahrungen und Bedürfnisse möglichst vieler Menschen Gehör finden.

Gleichberechtigung beginnt auch im Alltag – auf Wegen, Plätzen und Parkplätzen. Eine gute Beleuchtungsplanung muss Sicherheit, Nutzbarkeit, Kosten und Naturschutz gemeinsam betrachten. Dafür braucht es keine einfachen Antworten, sondern die Bereitschaft, unterschiedliche Bedürfnisse ernst zu nehmen und nach tragfähigen Lösungen zu suchen.

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