Als Grüne setzen wir uns für nachhaltige Mobilität ein. Soweit kein Wunder. Das ist gleichbedeutend mit dem sogenannten Umweltverbund und der umfasst auch die aktive Mobilität, oder kurz gesagt: Fuß- und Radverkehr, Tretroller, Rollstühle und Rollatoren. Verkehrsarten, die sich häufig einen geringen Anteil der Verkehrsflächen teilen müssen, bei sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Flächenbedarfen. Diesen „Rest“ der Straße haben Verkehrsforscher*innen und -politiker*innen heutzutage stark im Blick – und fordern eine neue Aufteilung des Verkehrsraums: Die Straße muss vom Rand zur Mitte, von außen nach innen geplant werden, damit die schwachen Verkehrsteilnehmenden, die ohne Metallkasten um sich herum, am besten geschützt werden. Dies bedeutet eine komplette, ja radikale Umkehr der Planungshierarchie. Eine Umkehr, die angesichts des demographischen und des Klimawandels notwendig ist.
Die Gemeinde Wallenhorst macht bereits viel für den Radverkehr. Neulich hat sie begonnen, den Fokus auch auf den Fußverkehr zu lenken. Und zwar gibt es ein Angebot des Landes Niedersachsen, genauer der Landesnahverkehrsgesellschaft, über ein Fachbüro die Bedingungen für Fußgänger*innen in der Kommune untersuchen zu lassen. An diesem öffentlichen Prozess beteiligen auch wir Grüne uns intensiv.
Nachdem in einem Auftaktworkshop am 1. Oktober im Rathaus eine fachliche Einstimmung erfolgt war, indem uns Teilnehmenden die aktuelle Planungspraxis und Handlungsoptionen vorgestellt wurden und wir uns zu konkreten Wünschen in Lechtingen und Hollage äußern konnten, ging es bereits eine Woche später, am 7. und 8. auf die Begehungen in den Ortsteilen. Themen, die bereits drinnen zur Sprache kamen, wie mangelnder Grünschnitt, Umlaufsperren, Poller oder Schilder, die den praktisch nutzbaren Gehweg unnötig verschmälern oder besondere Hindernisse für Menschen mit Behinderungen darstellen, konnten wir draußen vielerorts hautnah erleben. Konkret wurde dies auch ermöglicht, durch einen Rollstuhl und einen Langstock, den die Mitarbeitenden des Fachbüros zur Selbsterfahrung mitgebracht hatten. So konnten wir Teilnehmende kurzzeitig die Perspektive von Menschen mit Geh- oder Sehbehinderung einnehmen, was gerade auch den Autor dieses Artikels eine sehr spannende Erfahrung war. An dieser Stelle ein Danke an die Vertreter*innen des Behindertenforums und Blinden- und Sehbehindertenverbandes, die von ihren Erfahrungen berichteten und uns bei der Selbsterfahrung unterstützten!
Neben der Entfernung von materiellen Barrieren ging es aber auch darum, unsere Straßeninfrastruktur auszubauen, um die Nutzbarkeit für Menschen mit Behinderung sowie die Sicherheit für alle Menschen zu erhöhen. Hier waren z.B. sichere Querungen an Bushaltestellen, die von vielen Schüler*innen genutzt werden, ein wiederkehrendes Thema, auch mit Blick auf das geplante Neubaugebiet an der Ziegelei. Dort wurde zudem ein mangelder Fußweg zwischen Hollager und Fiesteler Straße bemängelt sowie fehlende Beleuchtung. Ein weiterer Vorschlag zur Mobilitätsunterstützung war eine Einführung von akustischen Signalen und Informationen an Ampeln und Bushaltestellen, worüber unsere Gemeinde leider bislang noch nicht verfügt.
Erfreulicherweise nahmen auch mehrere aktuelle und künftige Ratsmitglieder an den Veranstaltungen teil, so unsere neue grüne stellvertretende Fraktionsvorsitzende Heike Palubitzki aus Lechtingen. Zusammen mit den kundigen und engagierten Verwaltungsvertreter*innen wurden so viele Eindrücke mitgenommen, die im Maßnahmenworkshop am 30.11. (wieder im Rathaus) und im Januar im Ausschuss in konkrete Ideen für Ratsbeschlüsse und Tätigkeiten der Gemeinde münden werden.


